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Das Schwarzwald-Harmonika-Orchester begann das 75jährige Jubiläum mit einem Festabend der besonderen Art

Zu einem Festakt der besonderen Art begrüßte am Samstagabend die Vorsitzende des Schwarzwald-Harmonika-Orchesters Furtwangen (SHO) Brigitte Sauerburger die Gäste im Pfarrsaal St. Cyriak und damit hatte sie nicht zuviel versprochen. Kurzweilig wurden die Festreden von ständig wechselnden Orchesterbesetzungen unterbrochen und boten dem Publikum einen Ohrenschmaus an Akkordeonmusik.

Das Schwarzwald-Harmonika-Orchester begann das 75jährige Jubiläum mit einem Festabend der besonderen Art

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Musik verbindet

Furtwangen (pdo) Zu einem Festakt der besonderen Art begrüßte am Samstagabend die Vorsitzende des Schwarzwald-Harmonika-Orchesters Furtwangen (SHO) Brigitte Sauerburger die Gäste im Pfarrsaal St. Cyriak und damit hatte sie nicht zuviel versprochen. Kurzweilig wurden die Festreden von ständig wechselnden Orchesterbesetzungen unterbrochen und boten dem Publikum einen Ohrenschmaus an Akkordeonmusik. Musikalischer Höhepunkt des Abends waren brillante Darbietungen des von Helmut Schneider zusammengestellten Ensembles, das mit Helmut Schneider, Sabine Kienzler, Brigitte Weißer, Claudia Kienzler, Heike Schandelmaier und Uta Borho absolute Perfektion bewies.

Einmalig dann der Auftritt des „Ehemaligen-Orchester“ mit 25 Musikern und Dieter Kienzler am Dirigentenpult. „Vielleicht hat der eine oder andere sein Akkordeon erst mal wieder entstauben müssen“ vermutete Brigitte Sauerburger schmunzelnd. Dennoch- das Ergebnis konnte sich wahrlich hören lassen und dies mit nur einer Gesamtprobe. Anschließend ein Ensemble aus acht Ehrenmitgliedern, von denen gerade Hugo Gulde als ältester Spieler noch am aktivsten musiziert.

Horst Schlosser und sein Bandoneon- ebenfalls ein Auftritt mit Seltenheitswert! Das begeisterte Publikum honorierte die Darbietungen mit viel Applaus. Und vom charmanten Musettewalzer bis hin zum fetzigen Jazzstück umrahmten Horst Schlosser (Akkordeon), Willi Kaiser (Gitarre) und Bernhard Rawer (Kontrabaß) den restlichen Abend. Dass die SHO-Spielerinnen und Spieler nicht nur zweimalige Bezirksmeister sondern auch meisterliche Köche sind, bewiesen sie mit dem kalten Buffet, das im Foyer zum Schlemmen einlud.

Bürgermeister Richard Krieg ließ seiner Begeisterung für die Entwicklung des SHO freien Lauf. „Dem Ensemble kann man unendlich zuhören“ freute sich das Stadtoberhaupt. Mit dem Aufruf „pflegt das kulturelle Erbe und gebt es an die nächste Generation weiter“ munterte er die Musiker zur Weiterarbeit auf. Auch Landesvertreter Josef Holler, der die Ehrungen übernahm,  gratulierte zum Jubiläum und stellte klar fest: „Musik verbindet die Herzen, wer musiziert hat mehr vom Leben“. Dabei sei in der Akkordeonszene eine große positive Entwicklung zu verzeichnen. „Wir sind stolz darauf, ein so erfolgreiches Orchester in unserer Kreisvereinigung zu haben“ bekannte Andreas Trenkle, Vorsitzender der Kreisvereinigung Donaueschingen.

Gratulations- und Lobesworte von Sparkassenchef Oliver Drews und Rainer Engel von der Volksbank beendeten den offiziellen Teil.

Bericht: Südkurier, 18. September 2006, Praxedis Dorer
Bild: Praxedis Dorer


 

Männerschwund beim SHO

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Das Festbankett machte es deutlich: das Schwarzwald-Harmonika-Orchester ist eine eingeschworene Gemeinschaft mit sinkender Männerquote. Karin Kienzler hatte in ihrer Ansprache darauf ein besonderes Auge geworfen. So beteiligten sich im „Ehemaligen-Orchester“ noch 33 Prozent Männer im Vergleich zu 16 Prozent beim heutigen SHO.

Bürgermeister Richard Krieg äußerte sich begeistert über das klare Konzept des Vereins, der mit der weiblichen Führungsmannschaft gut aufgehoben sei. Auch die klar strukturierte Chronik spreche für sich. Frauenpower ist angesagt, auf musikalischer Seite führt Dirigentin Uta Borho ihr Orchester im 75. Vereinsjahr zu Höchstleistungen und die Vorsitzende Brigitte Sauerburger kann auf Zusammenhalt und Mitarbeit aller Vereinsmitglieder zählen, ob Mann oder Frau.

Das Schwarzwald-Harmonika-Orchester zählt zu einem der ältesten, größten und erfolgreichsten Akkordeonorchester im Bezirk Schwarzwald-Baar-Heuberg. Den 17 Gründungsmitgliedern stand 1931 keine einfache Zeit bevor, denn die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse machten dem jungen Verein sehr zu schaffen. Idealismus, die Liebe zur Volksmusik und zur Harmonika waren jedoch stärker und bald nahm der Handharmonika-Club einen festen Platz unter den kulturellen Vereinen der Stadt Furtwangen ein. Eine entscheidende Rolle in der Vereinsgeschichte spielte Otto Duffner, der in seiner 57 jährigen Dirigententätigkeit den Verein entscheidend geprägt hatte. Er verstarb 1993.

Seit 1965 heißt der ehemalige Handörgelerclub nun SHO. Interpretationen der drei Buchstaben als Abkürzung für „Sauhaufen, Hinterwäldler und Ohnmacht“, oder „süße Mädels, Harmonien und Orchesterproben“ sorgten beim Festbankett für allgemeine Heiterkeit. Auch der von Brigitte Sauerburger zitierte Paragraph der Satzung von 1931 „jedes Mitglied ist zu vollkommener Disziplin und Ordnung im Club streng verpflichtet“ oder „Verboten ist wildes Musizieren von Einzelnen und von Gruppen, ohne in Kenntnissetzung der Clubleitung“ erregte die Gemüter.

Glanzstück am Kuchenbuffet des SHO war die dreistöckige Jubiläumstorte von Dirigentin Uta Borho. Ihre freundschaftliche Unterstützung geht weit über die musikalische Leitung hinaus und schafft beim SHO eine besondere Atmosphäre.

Südkurier 19.09.2006
Fotos und Bericht: Praxedis Dorer