Furtwangen – Zurücklehnen und genießen – was wünscht man sich am Samstagabend mehr und so folgten die Konzertbesucher gerne der Aufforderung von Brigitte Sauerburger, Vorsitzende des Schwarzwald-Harmonika-Orchesters Furtwangen, beim Jahreskonzert in der Festhalle. Keine Mühen hatten die Musiker gescheut, um das Publikum in fast echte Kinolaune zu versetzen. Da flimmerten die Filmklassiker nicht nur hervorragend musikalisch interpretiert über die Bühne, sondern aufwändige, visuelle Unterstützung gab es im Hintergrund.
Das Schwarzwald-Harmonika-Orchester um Dirigentin Uta Borho entführt die Konzertbesucher in die Filmmusik. Bei Schindlers Liste spielt Ansager Joachim Sohn (links) den Solopart auf der Geige.
Bild: Praxedis Dorer
Zuletzt rauschten die Spieler als Filmabspann in passendem Outfit über die Leinwand und als das Orchester die flotte „Miss Marple“ als Zugabe agieren ließ, da belohnte das Publikum mit viel Applaus die harte Probenarbeit.
Ob eine lustige Pippi Langstrumpf als Zeichnung beim Jugendorchester oder dramatische Kriegsbilder bei der erfolgreichen Buchverfilmung „Das Boot“, das Kinokonzept erleichterte den Gästen den Einstieg in die doch dramatische Filmmusik. Auch Ansager Joachim Sohn verstand es, mit Details die Szenen vorzubereiten. Bei „Schindlers Liste“ griff er selbst zur Geige und übernahm den solistischen Part.
Mit Werken von hohem Schwierigkeitsgrad entführten die bestens vorbereiteten Musiker um Dirigentin Uta Borho in spannende Klangwelten. Jedes Werk ein kleiner Höhepunkt für sich. Vorrangig dann die prächtige Stimmung bei „Herr der Ringe". Fein glitten die einzelnen Stimmen ineinander, weiche Passagen bauten sich langsam zu eindrucksvoller Kraft auf und entluden sich explosionsartig.
Uta Borho forderte Höchstleistung, so auch beim unverwechselbaren Charakter von „Star Wars“. Gigantisch immer wieder der Schlussakkord. Ohne Western kein Kinoabend und so gehörten „Die glorreichen Sieben“ ebenfalls zum Programm. Souverän meisterte Karin Kienzler solistische Einlagen, elektronische Klänge und eine gut aufgestellte Percussion leisteten wertvolle Arbeit bei heiklen und temperamentvollen Passagen.
Zuvor war das Ensemble mit „James Bond“ und der „Unendlichen Geschichte“ auf Tour. Wehmütige Mundharmonikaklänge von Uta Borho unterstützten das Bild der unendlichen Steppe und dem Hufgeklapper bei „Spiel mir das Lied vom Tod“. Umso temporeicher ging es zu mit „Wer hat an der Uhr gedreht“. Damit läutete diese Gruppierung dann die Pause ein. Die jüngsten SHO-Spieler um Sabine Kienzler lieferten mit dem Dschungelbuch und der Muppet-Show einen gelungenen Programmeinstieg.
Vorsitzende Brigitte Sauerburger
Brigitte Sauerburger, Vorsitzende des Schwarzwald-Harmonika-Orchesters, zum Konzert: Wer hat die Ideen für das Konzertmotto? Unsere Dirigentin Uta Borho natürlich. Sie hat unendlich viele Ideen, die wir Musikerinnen und Musiker dann umzusetzen versuchen.
Worauf legen Sie besonderen Wert?
Wir wollen nicht nur gute Musik bieten, sondern auch das Drumherum muss stimmen.So gehört zum Kinoabend unbedingt Popcorn oder als Essensangebot der garnierte „Filmteller“.
Was dürfen die Zuhörer im nächsten Jahr erwarten?
Das nächste Jahreskonzert findet am Samstag, 13. Oktober 2012, statt und steht unter dem Motto „Italien“. Die Noten dazu hat Uta Borho schon jetzt ausgewählt. Man darf gespannt sein.
Welche Sorgen gab es im Vorfeld?
Unser langjähriger Schlagzeuger Jürgen Heine musste krankheitsbedingt ersetzt werden. So ist Hendrik Kuijs am Schlagzeug und Constantin Ritter an den Pauken kurzfristig eingesprungen.
Südkurier 10.10.2011/Praxedis Dorer